Bundespräsident ehrt zahnärztliches Engagement: Dezember 7, 2007
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Dr. Christian Bolstorff mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
Im Rahmen der Anerkennung ehrenamtlicher Bürgerarbeit verlieh
Bundespräsident Horst Köhler am 7. Dezember 2007 den Verdienstorden der
Bundesrepublik Deutschland an Dr. Christian Bolstorff für sein
ehrenamtliches Engagement.
Dr. Bolstorff, so die Laudatio, habe im Jahr 2001 das Berliner
Hilfswerk Zahnmedizin gegründet und bis 2007 geleitet. Nicht zuletzt
durch diese Organisation habe er die zahnärztliche Versorgung von
Obdachlosen und Drogenabhängigen sowie die Gruppenprophylaxe für
Erwachsene mit schweren Behinderungen verbessern können. Von Anfang an,
seit der Gründung 1999, habe er die bundes- und europaweit erste
Zahnarztpraxis für obdachlose Menschen unterstützt, er arbeite dort
noch immer ehrenamtlich. Zudem sei sein Einsatz im Vorstand der
Stiftung „Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete“ zu
würdigen.
Bundespräsident Köhler betonte, im Sinne von Wilhelm Buschs „Wer leben
will, muss etwas tun“ hätten die ausgezeichneten Ehrenamtsträger aus
eigenem Antrieb dort Zuwendung gegeben, wo sich Handlungsbedarf gezeigt
habe. Er danke für den Beitrag zu einer achtsamen, hilfsbereiten und
solidarischen Gesellschaft. Es gehe dabei nicht darum, durch
ehrenamtliche Aufgaben den Staat aus seiner Verantwortung zu entlassen,
sondern gemeinsam an einem Strang zu ziehen und die öffentliche
Verwaltung auf kluge Weise zu ergänzen.
Tugend wolle ermuntert sein, habe Wilhelm Busch formuliert, der Staat
könne ehrenamtliches Engagement nicht einfordern, im Sinne von Wilhelm
Busch aber fördern und nicht zuletzt durch eine Anerkennung ins
öffentliche Bewusstsein rücken. Einsatz zahle sich aus, so der
Bundespräsident, auch wenn manche Kritiker zur Demotivierung der
Ehrenamtlichkeit neigten, und zitierte abschliessend erneut Wilhelm
Busch: „Ausdauer wird früher oder später belohnt. Meistens aber
später.“
Im Namen der gesamten Berliner Kollegenschaft gratuliert die
Zahnärztekammer Berlin ihrem früheren Präsidenten sehr herzlich zu
dieser Auszeichnung und dankt ihm für sein langjähriges und
nachhaltiges Engagement.
Wenn ein Bart nichts (mehr) versteckt: Dezember 7, 2007
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DGÄZ-Jahrestagung mit vielen Facetten für praxisnahe funktionale Ästhetik
Für die Zahnärzte Anfang des 20. Jahrhunderts war klar: Eine Rezessionsabdeckung für Frauen ist sinnvoll – bei Männern lohnt sich der Aufwand eher nicht. Die Begründung: Bei Männern verdeckt doch der Bart alles, was versteckt werden sollte… Was diese fachliche Anekdote im Eingangsbeitrag von Dr. Nino Burkhardt (Zürich) bei der 3. DGÄZ-Jahrestagung am ersten Novemberwochenende am Tegernsee nebenbei deutlich werden ließ: Die ästhetische Zahnheilkunde ist offenbar älter als man gemeinhin annimmt und der Bedarf nach derartigem Vorgehen ebenfalls. Die medizinischen Indikationen haben sich wohl kaum verändert, die Therapie-Möglichkeiten allerdings durchaus, Ästhetik steht zudem heute in unlösbarer Verbindung zu perfekter Funktion. Schon immer wollten die Menschen einen attraktiven Mund – heute ist es möglich, derartige Wünsche weitgehend zu erfüllen. Die Frauen sind noch immer anspruchsvoll, was ihre optische Wirkung betrifft – zunehmend sind das heute aber auch Männer, und viele haben keinen Bart mehr, der ungünstige dentale Situationen verdecken würde. Nicht zuletzt: Die rote Ästhetik ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern eine Herausforderung an die Zahnärzte, seit Patienten schöner lächeln wollen.
Kein Wunder also, dass die DGÄZ-Symposien so vielschichtige Resonanz finden. Das Motto der Tegernseer Tagung „Rot trifft Weiss“ hatte trotz zeitgleicher anderer Tagungen auch diesmal wieder fast vierhundert Teilnehmer zu dem von Dr. Siegfried Marquardt (DGÄZ-Vorstand / Z.a.T.-FortbildungsInstitut) und seinem Team liebevoll organisierten Implantat-Ästhetik-Symposium nach Bad Wiessee gelockt. Spannend war nicht zuletzt die Liste der Referenten, die sowohl junge Wissenschaftler als auch Top-Praxis-Experten auflistete und die in den zwei Tagen zum Bereich Hart-&Weichgewebe mit dem Implantat als Bindeglied fachliche Details in geradezu perfektionistischer Weise präsentierten. Auch das Markenzeichen der Tagung, die kritischen Fehlermanagement-Runden der Referenten untereinander, sorgte am Samstag dafür, dass fast alle Teilnehmer bis zur letzten Minute blieben. Dr. Diether Reusch, DGÄZ-Präsident, hatte bei seinem Eröffnungs-Grußwort eine „lehrreiche Tagung“ gewünscht – dies traf zu: Es gab vieles, was mitzunehmen und für die eigene Praxis auch anwendbar war, weil ausführlich dargestellt statt in kurzen Themenblöcken nur angerissen.
Rezessionsabdeckung: erfolgreich muss nicht ästhetisch sein…
Dass Rezessionen nicht nur ein ästhetisches Manko sind, sondern auch medizinisch relevant und daher einer sorgsamen Behandlung bedürfen, zeigte Dr. Burckhardt an eindrucksvollen Beispielen. Therapeutische Ziele der Rezessionsabdeckung seien primär die Vermeidung von Plaqueretentionsstellen und von Wurzelüberempfindlichkeit, Prävention von Wurzelkaries, Weichgewebeverdickung – und aus ästhetischer Sicht das Kaschieren von Kronenrändern, Verdecken von freiligenden Wurzeln und auch eine Verbesserung der Gingivakontur.
Insbesondere bei bevorstehenden Implantationen müsse dem Bereich Weichgewebe schon in der Planungsphase die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt werden wie Implantat, Abutment und prothetischer Suprakonstruktion. Ist nach Abschluss der Behandlung kein ästhetisch ansprechendes Ergebnis erreicht, bliebe bei vielen, vor allem jüngeren Patienten eine Unzufriedenheit zurück. Durch „genaues Wissen und individuell richtiges Entscheiden“ ließe sich eine Rezession meist vermeiden: „Wenn das Bindegewebe direkt auf der Wurzel liegt, ergibt sich oft eine Rezession, vor allem, wenn die Wurzel mit der Mundflora in Verbindung gekommen ist.“
Was eine „erfolgreiche Rezessionsabdeckung“ sei, werde offenbar unterschiedlich gesehen, Patienten hätten nicht selten andere Vorstellungen: „Seien wir ehrlich – das sieht doch oft eher aus wie ein Geschwür, was funktional eine erfolgreiche Versorgung ist…“ Dr. Burkhardt favorisierte minimal invasive Techniken, in vielen Situationen beispielsweise die Tunnel-Technik, und demonstrierte vorsichtige Nahtführung. Allzu hohen Erwartungen setzte er allerdings eine Grenze: „Eine 100%-Deckung wird mit keiner Technik erreicht – die meisten Ergebnisse pendeln so um die 50%-Erfolgsquote.“ Mit Blick auf Weichgewebeentwicklungen favorisierte Dr. Burckhardt bei der Frage „Früh- oder Spätimplantation“ bei entsprechender Ausgangslage eher die Früh, jedoch nur eingeschränkt die Sofortversorgung, bei der Frage Endodontie oder Implantologie eher die frühzeitige Implantation. Bei Gewebetransplantaten plädierte er aufgrund des unterschiedlichen Durchblutungsverhaltens für den Einsatz von „ortstypischem Gewebe – das heilt offensichtlich besser und schneller ein.“
Innovative Konzepte im Implantatdesign?
„Jeden Tag ein neues System – ein Hype mit der Gefahr der generellen Desillusionierung“: So beschrieb Dr. Kony Meyenberg/ Zürich die derzeitige Lage der Implantologie. Er stellte universelle Systeme solchen für spezielle Indikationen gegenüber unter dem Ziel einer möglichst authentischen Rekonstruktion bei Erhalt des marginalen Knochens. Zu prüfen sei auch, ob schon allein der Abstand zweier Implantate der zentrale Aspekt sei oder eher die Auswahl des Systems. Ein Implantat höher oder tiefer zu setzen habe nicht selten einen größeren Effekt als die Wahl des einen oder anderen Designs. Ungeklärt sei zudem, ob jeder Spalt (Implantat/Abutment bzw. Implantat/Krone) auch tatsächlich eine biologische Relevanz habe. Aufgrund der Mikrobewegungen und des positiven Einflusses auf das Remodelling spreche einiges für den Erfolg konischer Verbindungen, insbesondere bei Einzelzahnversorgung. Für die Gewebehaftung könnten raue Oberflächen von Vorteil sein. Seine Summery: „Seien wir mal brutal: Das Abutment ist der eigentlich große Fortschritt.“
„Die Zahl 8 ist keine Indikation“:
Reizvolle Thesen im Rahmen der DGÄZ-Jahrestagung für weiterführende Diskussionen
Unter den vielen wissenschaftlichen state-of-the-art-Positionen in den Vorträgen zu „Rot“ und „Weiß“ in der Implantologie gab es auch einige interessante Anmerkungen, die Potential für weitergehende Diskussionen lieferten. Ein paar Beispiele:
„Heute steht die Koagulation mehr im Blick denn je – auf dieses Thema müssen wir vermehrt unser Augenmerk lenken.“ (Dr. Rino Burckhardt/Zürich).
„Weisheitszähne sind die 3. Molaren – sie erweitern das Spektrum für orthodontische Möglichkeiten. Die Zahl 8 ist keine Indikation für eine Extraktion!“ (Dr. Giancarlo Baldini/.Zürich).
„Ein Abutmentwechsel sollte vermieden werden, es könnte für die sichere Einheilung besser sein, auch wenn hier noch Studien fehlen, gleich das endgültige Abutment zu nehmen.“ (Dr. Otto Zuhr / München).
„Gerade in der Front bräuchten wir eigentlich anatomische Distanzhülsen, sie müssen zum Zahn, seiner Lage und zum Mund insgesamt passen. Bei der Totalversorgung können wir aber auch mit den nicht-naturgemäßen, konfektionierten Distanzhülsen gut leben.“ /ZTM Hans-Peter Spielmann/Zürich)
„Eine Periimplantitis beginnt in der Regel in der dünnen vestibulären Lamelle, wandert dann um das Implantat herum und schliesslich nach apikal. Für die langfristig erfolgreiche Entfernung des bakteriellen Bofilms bei geschlossenem Vorgehen eignet sich gut der Laser, allerdings liefert auch er keine 100%-Ergebnisse. Für die Periimplantits brauchen wir eigentlich eine kausale Therapie.“ (Prof. Dr. Jürgen Becker / Düsseldorf)
„Die Risikobestimmung entscheidet über das Fallmanagement: Lieber mal einen unsicheren Zahn zuviel extrahieren als einen zu wenig, der uns dann kollabiert, wenn alles fertig ist.“ (Dr. Kony Meyenburg/ Zürich)
„Team-Approach ist das große Plus: Jeder hat Zeit, sich in seinem Spezialgebiet fortzubilden und bringt dann spannenden Input und zwei zusätzliche Augen mit ein.“ (Dr. Marco Imoberdorf/Zürich)
„Der Erfolg mit Blick auf die Alveole steht in enger Verbindung zum optimalen Zeitmanagement – 4 Wochen nach Extraktion verlieren wir an vertikaler Höhe im bukkalen Bereich, den meisten Konturverlust sehen wir in den ersten 4 Monaten. Eine präimplantologische Weichgewebsprophylaxe bringt Zeitersparnis und schafft gute Voraussetzungen.“ (Dr. Ronald Jung/Universität Zürich).
Für Rückfragen: Dr. Diether Reusch, Präsident der DGÄZ, Telefon: 02663-916731