Universitäten: Provinzielle Forschung an deutschen Hochschulen Januar 19, 2008
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Wie in der Provinz
Die deutschen Hochschulen sind alles andere als ein Beispiel für Internationalität. Das schwächt ihre Konkurrenzfähigkeit
© Foto: Getty Images; Montage: ZEIT online
Wissenschaft ist international, die deutschen Universitäten sind es noch nicht. Gerade einmal fünf Prozent ihrer Professoren stammen aus dem Ausland. Die Provinzialität hiesiger Hochschulen steht in einem auffallenden Gegensatz zur Weltläufigkeit der außeruniversitären Institute. Die Max-Planck-Gesellschaft rekrutiert mittlerweile jeden zweiten Wissenschaftler aus dem Ausland. Ein Viertel der Direktoren ihrer Forschungseinrichtungen verfügt über keinen deutschen Pass. Wer sich wundert, dass es nun einem in Ghana geborenen britischen Forscher gelungen ist, Stammzellen in Deutschland zu züchten, der hat keine Ahnung, wie sehr sich der bessere Teil der deutschen Wissenschaft internationalisiert hat.
An unseren Hochschulen fehlen Gesichter wie jenes von James Adjaye. Ob Sprache oder Personal, Dienstrecht oder Mentalität: Die Universität ist eine sehr deutsche Angelegenheit geblieben. Selbst in ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung pflegen einige Fächer wie etwa die Geschichte gern das Heimische.
Viele Ursachen für die zögernde Öffnung gegenüber der Welt haben die Fakultäten nicht selbst zu verantworten. Sie können wenig dafür, dass die Lingua franca der Wissenschaft Englisch ist – die meisten Studenten dieser Sprache aber nicht ausreichend mächtig sind. Dozenten, die nicht fließend Deutsch sprechen, sind hierzulande deshalb noch immer schwer vermittelbar. Auch der Vergleich mit der Max-Planck-Gesellschaft ist unfair. Ihre Institute locken mit Privilegien, die Hochschulen nicht haben, einer hervorragenden technischen Ausstattung etwa oder der Aussicht, sich allein der Forschung widmen zu dürfen.
Der größte Wettbewerbsnachteil der Universität ist jedoch die Bezahlung ihres Personals. Die Gehälter deutscher Hochschullehrer sind international längst nicht mehr konkurrenzfähig. Ein junger Professor verdient heute in Deutschland mitunter weniger als ein Lehrer. Und welcher etablierte Physiker kommt für 6.000 Euro im Monat an eine Massenuniversität in München oder Köln, wenn ihm etwa in der Schweiz fast das Doppelte bezahlt wird und an einer Topuniversität in den USA das Dreifache? Die Exzellenzinitiative ändert daran nur in Ausnahmefällen etwas. Auch die Gehälter der neu zu berufenden Spitzenforscher müssen sich am Professorensold orientieren.