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„Geschlechterforschung in die Leitlinien“: 2. BundesKongress Gender-Gesundheit Mai 15, 2014

Posted by toebi in Uncategorized.
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Einen spannenden und steilen Weg nimmt derzeit die Gender-Medizin in Deutschland – und die Zahnmedizin ist über die DGGZ/Deutsche Gesellschaft für geschlechterspezifische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde dabei an ihrer Seite. Vor wenigen Wochen hat im März in Berlin in der Akademie der Wissenschaften der 2. BundesKongress Gender-Gesundheit getagt, mit bemerkenswerten Statements aus dem Bereich Gesundheitsberufe, Arbeitskonzepte, 

Finanzierungsmodelle und nicht zuletzt zum Bereich medizinische Diagnose und Therapie. Schirmherrin Cornelia Prüfer-Storcks, Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz/Hamburg und in diesem Jahr Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, hat in ihrem Grußwort vermittelt, dass sich das Thema hoher Aufmerksamkeit in diesem Kreis erfreut und die Intention angekommen sei, dass das Gesundheitswesen geschlechtersensibler werden muss, um mehr Gesundheit für Männer und für Frauen zu ermöglichen. Sie wünschte sich noch mehr Ursachen- und Grundlagenforschung, machte deutlich, dass nicht zuletzt das Präventionsgesetz sehr geschlechterspezifisch aufgestellt werden müsse, und forderte: „Geschlechterforschung muss auch in den Leitlinien verankert werden!“

Warum das Thema überhaupt noch mancherorts vor den Türen stehe, könnte auf ein Missverständnis hindeuten, wie Kongress-Initiatorin Dr. Martina Kloepfer in ihrer Einführung meinte: Es sei in manchen Köpfen noch nicht angekommen, dass es nicht um ‚Feminisierung’ gehe, sondern um ‚Geschlechternormalisierung’. Selbst in Bereichen, in denen man Gender-Forschung erwarten würde, sei sie nicht angekommen, bedauerte Prof. Dr. Annelie Keil, emeritierte Professorin für Sozial- und Gesundheitswissenschaften/Bremen: Public Health beispielsweise habe diesen Zugang nicht in seine Arbeit implementiert. Auch im Bereich Pflege sei es zwingend, sich Gender-Themen zu stellen. Ihre provokante, wenn auch humorvoll präsentierte These: „Frauen leben länger als Männer. Ist das ein Vorteil, dass wir schon präventiv für die Pflege unserer Männer vorgesehen sind?“

In Form von Podiumsdiskussionen ging es um Gender-Aspekte beim Medizinstudium, um Lebensentwürfe von Frauen in der Medizin, um Politik und Strukturen, und in Workshops um Versorgungsforschung, neue Arbeitszeitmodelle, um Führen und die Gesundheit von Mädchen und Jungen. Medizinischer, wenn auch nicht weniger politisch, wurde es im Vortragsblock im Plenum, bei dem auch die zahnmedizinischen Faktoren präsentiert wurden. Die Einführung übernahm Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer, Radiologin am Universitätsklinikum Münster und designierte Präsidentin des Weltärztinnenbundes – unter der Überschrift „Warum kehren Frauen der Medizin häufiger den Rücken zu?“ Ihre Grundsatzfrage: „Wollen wir überhaupt Frauen in der Medizin?“ Manche Statements wie beim Deutschen Ärztetag ließen anderes vermuten: Frauen seien demnach schuld am Ärztemangel, sie machten alles teurer und verbesserten zudem nicht die Versorgung. Junge Ärztinnen, so die Referentin, kritisierten die bestehenden Strukturen an den Kliniken – Familie und Beruf seien, auch für Männer, kaum vereinbar. Neben weiteren Impulse setzenden Vorträgen wie zu psychischen Erkrankungen von Männern (Prof. Dr. Anne Maria Möller-Lehmkühler/München) und Individualisierter Arzneimitteltherapie nach Geschlecht, Alter und Gewicht (Prof. Dr. Petra Thürmann/Wuppertal) stellte Zahnärztin PD Dr. Dr. Christiane Gleissner/Friedberg und Präsidentin der DGGZ, nicht nur epidemiologische Daten zu Gender-Aspekten rund um die Mundgesundheit vor, sondern machte den Themenkreis rund mit Studien zu Allgemeinmedizin und Zahnmedizin: „Es ist wichtig, beides zu betrachten: Finden sich bei einem bestimmten Krankheitsbild erheblich mehr Männer als Frauen, und steht die Erkrankung in Verbindung mit oralen Veränderungen, müssen wir diesen Patienten in unserer Zahnarztpraxis besondere Aufmerksamkeit widmen!“ Nicht nur für die Wissenschaft, auch für die Versorgungsforschung, so PD Dr. Dr. Gleissner, stellten sich noch viele Aufgaben, die dringend angegangen werden müssten.

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