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Die Verbesserung der individuellen Mundhygiene verbessert die orale Gesundheit – Eine Binsenweisheit!? Juni 24, 2015

Posted by toebi in Uncategorized.
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Bakterielle Zahnbeläge sind der Auslöser für Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und Parodontitis sowie für Karies. Die
Reduktion von schädlichen Bakterien im Mundraum reduziert Gingivitis und ist somit eine wirkungsvolle Prophylaxe für Parodontitis und Karies. Aber weder die Verbesserung der individuellen Mundhygiene durch individuelle Instruktionen noch durch Gruppenprophylaxe allein oder in Kombination mit einer professionellen Zahnreinigung (PZR) werden als präventive Maßnahmen für Erwachsene von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) bezeichnet in seinem IGeL-Monitor den Nutzen der PZR bei jungen parodontal gesunden Erwachsenen als fraglich. Dabei ist die Bezeichnung „Individuelle Gesundheitsleistung“ IGeL für zahnmedizinische Behandlungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, falsch. IGeL-Leistung gibt es nur im Sektor Medizin, nicht in der Zahnmedizin. Dort sind private Zuzahlungen z.B. bei Zahnersatz seit langem Teil des Systems. Immerhin aber haben viele Kassen schon erkannt, dass gute Prophylaxe langfristig Geld spart und bezuschussen sie freiwillig.

PZR – mehr als Zähneputzen und hoch effektiv

Wenn man sich dem Begriff PZR vom offenkundigen Wortsinn her nähert, bedeutet

Zahnreinigung, dass Zähne gesäubert, d.h. von Fremdauflagerungen befreit werden.

„Professionell“ heißt dabei, dass diese Reinigung von speziell dafür ausgebildetem Personal

(Zahnärzte, Dentalhygieniker, weiterqualifizierte Zahnmedizinische Fachangestellte) mit

spezifischem professionellem Instrumentarium durchgeführt wird. Das Attribut

„professionell“ grenzt die PZR von der Zahnreinigung durch Laien, wie z.B. den Patienten

selbst (individuelle Mundhygiene) oder durch Angehörige bzw. Pflegepersonal, ab. Bei einer

PZR werden mithilfe von Schallschwingungen, Wasser-Pulver-Spray und speziellen

Handinstrumenten Beläge auch an den schwer erreichbaren Stellen schonend und gründlich

entfernt. Auf die Reinigung folgt die Politur von noch vorhandenen rauen Stellen mit

fluoridhaltiger Paste, um die Neubildung von Belägen zu verhindern bzw. zu erschweren. Das

abschließende Auftragen von fluoridhaltigen Gelen oder Lacken sorgt für einen zusätzlichen

Schutzfilm auf den Zähnen. Hat der Patient aber nicht gelernt, seine Zähne täglich selbst

effektiv zu reinigen, sind die bakteriellen Beläge nach wenigen Stunden wieder da. Nach

spätestens drei Wochen hat er wieder eine Zahnfleischentzündung. Deshalb ist die PZR

sinnvollerweise Teil einer „Prophylaxesitzung“. In einer solchen Sitzung findet vor der

Reinigung zusätzlich noch eine gründliche Zahn- und Munduntersuchung statt. Zudem

werden dem Patienten gezielt Hinweise für die Optimierung der häuslichen Zahn- und

Zahnfleischpflege gegeben. Wenn Zahnstein entfernt wurde, was einmal pro Jahr von der

Krankenkasse bezahlt wird, könnte der parodontal gesunde junge Erwachsene mit diesen

Informationen seine Zähne selbst reinigen. Patienten mit hohem Kariesrisiko, wie

beispielsweise Jugendliche mit Zahnspangen, oder Patienten mit behandelter Parodontitis,

die eben nicht mehr parodontal gesund sind, sollten aber je nach Risiko ein bis 4-mal pro Jahr

eine Prophylaxesitzung mit professioneller Zahnreinigung durchführen lassen.

Schützt nicht nur vor Karies

Karies und Parodontitis werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst, ausgelöst werden

sie aber immer von bakterieller Plaque. Die Reduktion von schädlichen Bakterien im

Mundraum wirkt sich deshalb in vielfacher Weise positiv auf die Mundgesundheit des

Patienten aus. Ob die Verbesserung der individuellen Mundhygiene durch individuelle

Instruktionen oder Gruppenprophylaxe allein oder in Kombination mit einer professionellen

Zahnreinigung (PZR) erreicht wird, ist dabei egal.

Unterstützende Parodontitistherapie (UPT)

Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückkehrt,

wenn ihr Auslöser, die bakteriellen Zahnbeläge, nicht in Schach gehalten werden.

Langfristiger Erfolg der systematischen Parodontitistherapie ist deshalb nur möglich, wenn

die Patienten kontinuierlich nachbetreut werden. Die dafür notwendige unterstützende

Parodontitistherapie (UPT) umfasst dabei die Elemente der Prophylaxesitzung mit PZR,

angefangen von der Diagnostik, Motivation und Instruktion über die Entfernung

supragingivaler Beläge einschließlich Politur und Fluoridierung. Die UPT geht aber darüber

hinaus, indem regelmäßig die Zahnfleischtaschen nachgemessen werden und Stellen, an

denen sich wieder tiefe Taschen entwickeln, nachgereinigt werden. Für die Wirksamkeit der

UPT liegen nicht nur die oft zitierten Langzeitdaten von Axelsson [1] vor, sondern

beispielsweise auch aussagekräftige Daten von Eickholz [2] sowie Pretzl [3]. In diesen

Kohorten-Studien wurde nachgewiesen, dass die regelmäßige Teilnahme an der UPT das

Risiko für Zahnverlust deutlich verringert.

IGeL-Monitor des MDS geht an der Realität vorbei

Im IGeL-Monitor bezieht der MDS seine Bewertung, dass der Nutzen der PZR fraglich sei,

allerdings nur auf junge parodontal gesunde Erwachsene. „Da in Deutschland die Mehrheit

der Erwachsenen nicht mehr parodontal gesund ist, hat diese Bewertung für die meisten

Bürger keine Bedeutung. Etwa 10 Millionen Bundesbürger leiden an fortgeschrittenen

behandlungsbedürftigen parodontalen Erkrankungen. Deshalb kann die medizinische

Notwendigkeit der UPT, die ja untrennbar eine PZR umfasst, kaum bezweifelt werden“,

erklärt Prof. Dr. Peter Eickholz, Präsident der DG PARO. Die PZR ist also auch effizient und

spart Kosten. Ein gesundheitsökonomisches Argument, dem sich die Kassen noch

verschließen. Umso wichtiger ist es der DG PARO daher auch, darauf hinzuweisen, dass die

UPT und damit die PZR wichtiger Bestandteil der Behandlungsstrategie der Parodontologie

ist. UPT als Bestandteil systematischer Parodontalbehandlungen trägt dazu bei, die

Volkskrankheit Parodontitis in den Griff zu bekommen und wirkt so zahnerhaltend.

Der Kostenfaktor – Zuschüsse noch spärlich

Die Kosten einer Prophylaxesitzung mit PZR bzw. einer UPT variieren in Abhängigkeit mit dem

damit verbundenen Zeitaufwand. Berechnet wird sie nach der Gebührenordnung für

Zahnärzte. Allerdings muss allen – Patienten, Zahnärzten und Kostenträgern – klar sein, dass

eine Prophylaxesitzung mit PZR bzw. eine UPT, die etwa eine Stunde dauern, zu

Dumpingpreisen von z.B. 45 Euro nicht zu erbringen sind. Bei einem weitgehend

vollbezahnten Patienten muss eine UPT mit Erhebung des Parodontalstatus und z.B.

subgingivaler Reinigung von fünf Zähnen eher das Drei- bis Vierfache kosten.

Aber keine der präventiven Maßnahmen – weder individuelle Instruktionen noch

Gruppenprophylaxe allein oder in Kombination mit einer PZR – und auch nicht die UPT,

werden für Erwachsene von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Wer davon profitieren

möchte, muss dies als außervertragliche Leistung aus der eigenen Tasche berappen. Das

verunsichert Patienten und Zahnärzte gleichermaßen, die so gezwungen sind, unerfreuliche

Rechtfertigungen für eine wissenschaftlich unumstrittene zahnmedizinische Leistung

vorzutragen.

„Auf lange Sicht zahlt sich eine gute Prophylaxe aber aus, deshalb bezuschussen viele Kassen

die PZR freiwillig“, gibt sich Eickholz zuversichtlich. Die DG PARO engagiert sich nicht nur in

der Weiterentwicklung der Parodontologie, sondern auch in der motivierenden Aufklärung

sowohl der Zahnärzte als auch der Patienten. „Wir können mit relativ kleinem und

kontinuierlichem Aufwand sehr viel erreichen. Davon werden wir auch die Kassen und ihre

Medizinischen Dienste noch überzeugen“, betont er. Bis dahin müssen die Patienten etwas

aus ihrer eigenen Tasche dazu bezahlen, profitieren aber davon.

Quellen:

[1] Axelsson P, Nyström B, Lindhe J: The long-term effect of a plaque control program on

tooth mortality, caries and periodontal disease in adults. Results after 30 years of

maintenance. J Clin Periodontol 31, 749–757 (2004).

[2] Eickholz P, Kaltschmitt J, Berbig J, Reitmeir P, Pretzl B: Tooth loss after active periodontal

therapy. 1. Patient-related factors for risk, prognosis, and quality of outcome. J Clin

Periodontol 35, 165-174 (2008).

[3] Pretzl B, Kaltschmitt J, Kim T-S, Reitmeir P, Eickholz P: Tooth loss after active periodontal

therapy. 2. Tooth-related factors. J Clin Periodontol 35, 175-182 (2008).

Zur Gesellschaft:

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO) nimmt wissenschaftliche und

fachliche Aufgaben auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, insbesondere der

Parodontologie wahr. Für ihre fast 4.400 Mitglieder sowie zahnärztliche Organisationen ist sie

seit nahezu 90 Jahren beratend und unterstützend in parodontologischen Fragen tätig. Zu

den Aufgaben der DG PARO gehört u.a. die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der

Parodontologie sowie die Auswertung, Verbreitung und Vertretung der wissenschaftlichen

Erkenntnisse. Wesentliche Tätigkeitsschwerpunkte neben der Durchführung von

wissenschaftlichen Tagungen, sind die Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der

Parodontologie sowie die Ausrichtung entsprechender Veranstaltungen. Zudem vergibt die

Gesellschaft jährlich Wissenschaftspreise wie den Eugen-Fröhlich-Preis. Die DG PARO

arbeitet, auch interdisziplinär, intensiv mit wissenschaftlichen Gesellschaften,

Arbeitsgemeinschaften und Institutionen des In- und Auslandes zusammen. Sie verfolgt

ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

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