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Beruf des Zahntechnikers nicht einfach durch Technologie ersetzbar Juli 15, 2015

Posted by toebi in Uncategorized.
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Thomas Lüttke im Interview

Zahntechnikermeister und Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Zahntechnikerinnungen (VDZI) Thomas Lüttke, Berlin, im Interview über die Zukunft seines Berufsstandes.

Etwa 70 000 Zahntechniker (inkl. Auszubildende) arbeiten derzeit in Deutschland. Werden sich diese Zahlen aufgrund zunehmender Technisierung und Digitalisierung der Herstellung von Zahnersatz auf lange Sicht stark nach unten korrigieren?

Thomas Lüttke: Ich denke, die Zahlen werden sich nicht wesentlich verändern. Bei der Frage der Digitalisierung verkennt man leider, dass der Computer nur ein anderes, weiteres Werkzeug zur Herstellung von Zahnersatz ist. Neue Werkzeuge, Geräte und Maschinen gab es in unserem sehr innovativen Beruf schon immer. Und weil Zahnersatz einzigartig ist, braucht es daher immer das Wissen und die Kompetenz des Zahntechnikers, jedes neue Werkzeug auch richtig einzusetzen. Es genügt keineswegs nur die Kenntnis, wie man eine Computermaus über den Tisch bewegt. Jeder Zahnersatz ist schließlich keine Massenware und erfordert Kenntnisse über Materialien, Statik, Stabilität, Morphologie und vieles mehr.

Sie sind einer der ersten Zahntechniker in Deutschland, der computerunterstützte Technologien im Dentallabor verwendet hat. Was hat sich am Berufsbild durch die aufkommende Digitalisierung und Technisierung verändert?

Thomas Lüttke: Die umfangreiche Ausbildung in diesem von Verantwortlichen zurecht als gefahrengeneigt eingestuften Beruf kann nicht einfach durch Technologie wie z.B. das CAD/CAM-Verfahren (computer aided design and manufacturing) ersetzt werden. Selbst kleine Fehler in der Einstellung der digitalen Technik können unerwünschte Folgen haben und der Zahnersatz kann später vielleicht leicht zerbrechen. Patienten sollen natürlich sicheren und langlebigen Zahnersatz bekommen. Weil der Zahnersatz so komplex und individuell ist, kann der Computer nie die optimale Lösung parat haben. Der Zahntechniker muss immer die Führung übernehmen und das wird auch so bleiben. Das computergestützte Arbeiten gehört heute einfach dazu. Gerade deshalb mag es vielleicht auch für junge Leute reizvoll sein, unseren Beruf zu erlernen. Es wird für sie dann immer noch viel zu entdecken geben.

Zahlreiche Angebote locken mit preiswertem Zahnersatz aus dem Ausland. Warum sind eine Betreuung des Patienten und eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Zahnarzt am Wohnort so wichtig?

In Deutschland wird Patientensicherheit an vorderster Stelle genannt. Qualität und Materialien erfahren bei uns eine besondere Beachtung, das schreibt unser Medizinproduktegesetz so vor. Es regelt in Deutschland den Einsatz und die Verarbeitung der geprüften Materialien unter der Aufsicht eines Zahntechnikermeisters.

Qualität ist heute mehr denn je zu einem Schlagwort geworden. Aber was bedeutet das? Zweifelsfrei gibt es in jedem Land gute Zahnärzte und gute Zahntechniker. Aber die Chance, einen qualitativ hochwertigen Zahnersatz zu erhalten, dürfte in der Breite in Deutschland am größten sein. Denn Zahnersatz ist eben keine Handelsware. Obwohl es natürlich Marktakteure gibt, die bis hin zu Versteigerungen von Zahnersatz in diesem Markt ihr Unwesen treiben. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er Angebote aus dem Ausland wahrnehmen möchte. Schwierigkeiten kann es beispielsweise geben, wenn dieser Zahnersatz einmal repariert werden muss. Es ist meist unklar, aus welchen Materialien er besteht. Metalle haben z.B. unterschiedliche Schmelzpunkte und wenn man nicht weiß, welches verwendet wurde, kann man leicht den ganzen Zahnersatz beim Reparaturversuch zerstören. Nicht ohne Grund ist in Deutschland hergestellter Zahnersatz als weltweit führend anerkannt. Dreieinhalb Jahre intensive Ausbildung zum Zahntechniker und das deutsche Meisterprinzip sind hierfür die Garanten.

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