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Prävention von Parodontalerkrankungen: Präventionsprogramme müssen auf Basis der parodontalen Diagnose, spezifischer Bedürfnisse und Risikofaktoren individuell angepasst werden Juli 20, 2016

Posted by toebi in Uncategorized.
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Parodontale Gesundheit ist eine Schlüsselkomponente der Mundgesundheit und wichtiger Bestandteil der Allgemeingesundheit und des Wohlbefindens. Trotz der bemerkenswerten Erfolge der aktuellen präventiven Bemühungen bleibt Parodontitis eine der häufigsten chronischen Krankheiten der Menschheit. Diese besorgniserregende Tatsache hat die Europäische Gesellschaft für Parodontologie (European Federation of Periodontology, EFP) zum Anlass genommen, sich im November 2014 auf dem 11. European Workshop of Periodontology unter dem Motto „Wirksame Prävention von parodontalen und periimplantären Erkrankungen“ dieses Themas anzunehmen und es in vier rbeitsgruppen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten.

Grundsätze der Prävention parodontaler Erkrankungen evaluiert

Im Fokus der ersten Arbeitsgruppe unter der Leitung von Maurizio Tonetti standen die

Grundsätze der Prävention parodontaler Erkrankungen. Für die parodontale Thematik

wurde zwischen primärer und sekundärer Prävention differenziert. Zur

Primärprävention zählt in diesem Kontext eine konsequente Therapie der Gingivitis, weil dadurch der entzündungsbedingte Abbau des parodontalen Attachments

verhindert wird. Aber auch die Kontrolle parodontaler Risikofaktoren wie Rauchen und

Diabetes mellitus spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Maßnahmen der

Sekundärprävention setzen nach erfolgreicher Parodontitistherapie an und sollen

einem Rezidiv der Erkrankung vorbeugen. Primäre und sekundäre Prävention von

Parodontitis umfassen professionelle Maßnahmen, aber vor allem auch die vom

Patienten selbst durchgeführte Kontrolle des dentalen Biofilms. Das Ziel des

Workshops war es, auf wissenschaftlicher Grundlage Empfehlungen zur

Verbesserung der professionellen mechanischen Plaquekontrolle (Professional

Mechanical Plaque Removal; PMPR), zur selbst durchgeführten Mundhygiene, zur

Kontrolle anderer Risikofaktoren und zur Bewertung von individuellen Risikoprofilen

zu erarbeiten. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppen wurden zielgruppenspezifisch

für die Öffentlichkeit, Fachleute im Gesundheitswesen, die politischen

Entscheidungsträger sowie die Forschung aufbereitet. Die Experten kamen unter

anderem zu dem Schluss, dass Präventionsprogramme personalisiert werden

müssen und an den individuellen klinischen Befunden und den Lebensgewohnheiten

des Patienten auszurichten sind. Grundlage dafür sind geeignete diagnostische

Maßnahmen für eine Stratifizierung der Patienten entsprechend ihrer Erkrankung

(parodontal gesund/Gingivitis/Parodontitis bzw. Mukositis/Periimplantitis). Angesichts

der hohen Prävalenz parodontaler und periimplantärer Erkrankungen sollten

parodontale Screeninguntersuchungen (PSI) konsequent bei allen Patienten

durchgeführt werden. Bei einer bereits klinisch diagnostizierten Parodontitis oder

Periimplantitis sind professionelle präventive Maßnahmen allein nicht ausreichend, da

die Erkrankung eine aktive Therapie erfordert.

Stellenwert der professionellen mechanischen Plaqueentfernung (PMPR) für die

Prävention von Parodontalerkrankungen

Die professionelle mechanische Plaqueentfernung (PMPR) ist eine der am häufigsten

durchgeführten Präventionsmaßnahmen bei Erwachsenen. Die PMPR umfasst die

supra- und subgingivale Plaque- und Zahnsteinentfernung mithilfe von

Handinstrumenten (Scaler, Küretten) oder von maschinengetriebenen Instrumenten

(Schall, Ultraschall, rotierende Instrumente, Pulverstrahlgeräte). Die PMPR dient der

Eliminierung weicher und harter Ablagerungen von der Zahnoberfläche und soll

optimale Voraussetzungen für eine adäquate häusliche Mundhygiene schaffen. Die

Arbeitsgruppe um Maurizio Tonetti arbeitete heraus, dass die PMPR ohne eine damit

einhergehende Mundhygieneinstruktion (MHI) als alleinige primärpräventive

Maßnahme für Parodontitispatienten jedoch nicht geeignet ist. Im Hinblick auf den

direkten Einfluss der PMPR und MHI auf die Sekundärprävention besteht weiter

dringender Forschungsbedarf.

Verhaltensänderungen für eine verbesserte Plaquekontrolle

Für eine dauerhafte Verbesserung der individuellen Mundhygiene bedarf es einer

umfassenden, den individuellen Bedürfnissen angepassten Patientenaufklärung und

insbesondere deren Verhaltensänderung. Es ist anerkannt, dass die individuelle

häusliche Mundhygiene für die Prävention parodontaler Erkrankungen wesentlich ist

und eine langfristig erfolgreiche Parodontitisbehandlung eine effektive und

konsequente Mundhygiene voraussetzt. Auch wenn die meisten Menschen ihre

Zähne putzen, wird diese Anforderung in weiten Teilen der Bevölkerung nicht erfüllt. Daher sollten routinemäßig effektive individuelle Mundhygieneprogramme erstellt

werden, die unter anderem auch geeignete Methoden zur Verhaltensänderung

aufnehmen. In der Praxis bedeutet das unter anderem, gemeinsam mit dem Patienten

konkrete Ziele zu setzen, herauszuarbeiten und zu entscheiden, wie die

Verhaltensänderung im täglichen Leben umgesetzt werden soll und ihn zu ermutigen,

sein eigenes Verhalten in Bezug auf die gesetzten Ziele zu beurteilen. Darüber hinaus

sollte die professionelle MHI auf einer sorgfältigen Auswahl von Hilfsmitteln

(Zahnbürsten-Typ, Produkte zur Interdentalpflege, Mittel zur chemischen

Plaquekontrolle) basieren, die den Bedürfnissen und Vorlieben der Patienten

angepasst ist. Um die Einführung von Methoden zur Verhaltensänderung mit dem Ziel

einer verbesserter Plaquekontrolle zu gewährleisten, sollten die Kostenträger die

derzeit fehlende Vergütung solcher Strategien in der Praxis überdenken.

Entsprechende evidenzbasierte und personalisierte Methoden und Techniken sollten

in der Ausbildung von Mundgesundheitsexperten trainiert werden.

Beratung zur Raucherentwöhnung im zahnärztlichen Rahmen

Da das Rauchen ein gemeinsamer Risikofaktor von einigen der häufigsten

Erkrankungen der Menschheit einschließlich Parodontitis ist, trägt die Vermeidung

des Tabakkonsums nicht nur zur Parodontitisprävention bei. Es hat sich

herausgestellt, dass kurze Interventionen im zahnärztlichen Rahmen die

Raucherentwöhnungsrate erhöhen, was positive Auswirkungen sowohl auf die

(parodontale) Mund- als auch auf die Allgemeingesundheit hat. Daher erscheint die

Anwendung validierter Beratungsansätze zur Raucherentwöhnung in der

Zahnarztpraxis sinnvoll. Die Patienten müssen in Gesprächen über die schädlichen

Folgen des Rauchens auf die Mundgesundheit informiert werden. Methoden zur

Raucherentwöhnung sollten in die Lehrpläne von Mundgesundheitsexperten

aufgenommen werden. Aufgrund der wichtigen Rolle des zahnärztlichen Teams in der

Unterstützung bei der Raucherentwöhnung ist von den Kostenträgern darüber hinaus

auch eine entsprechende Vergütung zu überdenken.

Methoden der Risikobewertung für die Prävention parodontaler Erkrankungen

Die Anfälligkeit für die Entstehung und Progression der Parodontitis ist bei jedem

Menschen unterschiedlich. Folglich wird die Anwendung einheitlicher

Präventionskonzepte nur selten die individuellen Bedürfnisse erfüllen und in einer

Unterversorgung der einen bzw. Überversorgung der anderen resultieren. Das kann

zu einer erhöhten Krankheitsbelastung, unerwünschten Nebenwirkungen sowie

suboptimaler Ressourcenverteilung führen. Dies ist ein wichtiger Aspekt sowohl für

die Primär- als auch die Sekundärprävention. Mit validierten Instrumenten zur

Risikoerfassung kann zu Beginn und/oder bei jedem Recall-Termin 1) die

Patientenkommunikation vereinfacht, 2) das Risiko für eine Krankheitsprogression

und Zahnverlust bestimmt sowie 3) die klinische Entscheidungsfindung in der aktiven

und unterstützenden Parodontitistherapie unterstützt werden. Weiterer

Forschungsbedarf besteht in der Weiterentwicklung und Validierung von Instrumenten

zur Risikostratifizierung und der Beurteilung der Effekte für das

Patientenmanagement.

Quelle:

Tonetti MS et al.: Principles in prevention of periodontal diseases. Consensus report

of group 1 of the 11th European Workshop on Periodontology on effective prevention

of periodontal and peri-implant diseases. J Clin Periodontol 2015; 42 (Suppl. 16): S5– S11. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcpe.12368/full

Präventions-Leitfäden Parodontitis für die Praxis

Die EFP Workshop-Arbeitsgruppe um Maurizio Tonetti hat eine Reihe von

Empfehlungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und der

Expertenmeinung der Arbeitsgruppenteilnehmer entwickelt.

Mundgesundheitsexperten und Vertreter des Gesundheitswesens sollten diese auf

individueller und Bevölkerungsebene umsetzen.

Die daraus abgeleiteten Leitfäden findet man auf der Website der DG PARO.

Leitfaden für die wirksame Prävention von Parodontalerkrankungen – Allgemeine

Empfehlungen

http://mitglieder.dgparo.de/media/download-5697ba3029b6d

Leitfaden für die wirksame Prävention von Parodontalerkrankungen – Empfehlungen

für Zahnärztinnen/Zahnärzte

http://mitglieder.dgparo.de/media/download-5697ba30a55e2

Leitfaden für die wirksame Prävention von Parodontalerkrankungen – Empfehlungen

für Dentalhygienikerinnen/Dentalhygieniker

http://mitglieder.dgparo.de/media/download-5697ba3135415

Leitfaden für die wirksame Prävention von Parodontalerkrankungen – Empfehlungen

für Patienten/die Öffentlichkeit

http://mitglieder.dgparo.de/media/download-5697ba31b6265

Zur Gesellschaft:

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO) nimmt

wissenschaftliche und fachliche Aufgaben auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und

Kieferheilkunde, insbesondere der Parodontologie wahr. Für ihre über 4.800

Mitglieder sowie zahnärztliche Organisationen ist sie seit über 90 Jahren beratend

und unterstützend in parodontologischen Fragen tätig. Zu den Aufgaben der DG

PARO gehört u.a. die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Parodontologie

sowie die Auswertung, Verbreitung und Vertretung der wissenschaftlichen

Erkenntnisse. Wesentliche Tätigkeitsschwerpunkte neben der Durchführung von

wissenschaftlichen Tagungen, sind die Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der

Parodontologie sowie die Ausrichtung entsprechender Veranstaltungen. Zudem

vergibt die Gesellschaft jährlich Wissenschaftspreise wie den Eugen-Fröhlich-Preis.

Die DG PARO arbeitet, auch interdisziplinär, intensiv mit wissenschaftlichen

Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Institutionen des In- und Auslandes

zusammen. Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

Pressekontakt:

Gesellschaft:

Deutsche Gesellschaft für

Parodontologie e.V.

Neufferstraße 1

93055 Regensburg

Tel.: +49 (0) 941/942799–0

kontakt@dgparo.de

http://www.dgparo.de

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