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Zahnärztlicher Dokumentationsbogen in Hessen zum Einsatz bereit Februar 19, 2017

Posted by toebi in Uncategorized.
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„Wer begegnet schon häufig Opfern häuslicher
Gewalt? „Gewalt gegen Frauen, so etwas passiert doch nur in einem
bestimmten Milieu.“ „Betroffene Frauen gehen als letztes zum
Zahnarzt.“ Gleich drei falsche Annahmen.
Im Jahr 2009 wurden 7541 Fälle in Hessen polizeilich gemeldet. Experten
gehen von weitaus höheren Zahlen aus, da die Dunkelziffer extrem hoch ist.

Die Opfer häuslicher Gewalt erleben aus ihrer Sicht meist ein weiteres
Martyrium, wenn sie die Tat behördlich meldet wollen. Im Prinzip gilt:
Keine Zeugen, kein Straftatbestand! Betroffene Frauen müssen also
beweisen, dass ihnen Gewalt angetan wurde und dies so minutiös wie
möglich.

Daher wurde im Rahmen eines  Projektes zum Thema Häusliche Gewalt  von
der Hochschule Fulda in Kooperation mit der Landeszahnärztekammer Hessen,
dem Hessischen Sozialministerium sowie der Bundeszahnärztekammer ein
zahnärztlicher Dokumentationsbogen entwickelt. Über ein standardisiertes
gerichtsverwertbares Dokumentationsverfahren von gewaltbedingten
Verletzungen durch Häusliche Gewalt, kann die Zahnmedizin damit einen
wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention leisten und eine verbesserte
interdisziplinäre Gesundheitsversorgung der Betroffenen erreicht werden.
Der nun fertig gestellte Dokumentationsbogen ist dabei von erheblicher
juristischer Bedeutung.

Folgen häuslicher Gewalt sind nicht immer offensichtlich, auch wenn
Verletzungen häufig im Kopfbereich festzustellen sind, aber es können
auch unauffällige Hämatome im Gesichtsbereich oder am Hals sein. Der
Zahnarzt wird zum Profiler. Bei einem Verdacht gibt der
Dokumentationsbogen dem Behandler ebenfalls hilfreiche
Formulierungsvorschläge an die Hand, wie das Thema angesprochen werden
könnte. Durch  vorsichtige Ansprache bestätigt sich möglicherweise ein
Straftatbestand. Doch je weiter die Tat zurück liegt, umso schwieriger
wird es, verwertbare Details in Erfahrung zu bringen, denn traumatisierte
Menschen verdrängen Einzelheiten des Geschehenen. Generell muss die
Patientin mit der Dokumentation einverstanden sein.

Der Dokumentationsbogen steht ab Herbst 2010 auf der Homepage der
Landeszahnärztekammer Hessen unter www.lzkh.de zum Download bereit.

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